Produkt 2.0

Die zunehmende Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt und unser Konsumverhalten. Neue Arbeitsformen sind plötzlich möglich und werden fleissig propagiert. Der Trend zum Neuen, Individuellen macht dabei aber nicht bei den digitalen Kreativen Halt, sondern ist längst auch ins produzierende Gewerbe übergeschwappt.

Im t3n Magazin ist nun ein interessanter Artikel erschienen, der sich mit der aktuellen Do-it-yourself Welle beschäftigt. Im öffentlichen Bewusstsein hat sich der Hang zur Individualität wohl erst mit Customizing-Diensten wie Spreadshirt manifestiert und ist jüngst in der sehr erfolgreichen Plattform dawanda gegipfelt. (Als Passauer Unternehmen wollen wir natürlich auch die fleissigen Kollegen von MyMuesli nicht unerwähnt lassen)

Aber woher kommt der Trend? Und was bedeutet er für Gewerbetreibende?

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Massenproduktion eigentlich ein Phänomen des letzten Jahrhunderts ist. Beginnend mit Henry Fords Fließbandfertigung zieht sich die Massenfertigung von Produkten durch die kompletten 19xxer Jahre. Folge davon war, dass viele ehemals prosperierende Berufe mittlerweile nahezu ausgestorben sind.

Dies mag zum Teil mit den veränderten Bedürfnissen der industrialisierten Gesellschaft zusammen hängen. Wesentlicher Grund ist aber sicher auch, dass sich nahezu jede beliebige Produkt schneller und günstiger mit Hilfe von Maschinen herstellen lässt. Eine weitere Folge dieser Entwicklung war aber gerade auch, dass handgemachte Produkte den Nimbus von Qualität und Besonderheit erhielten.

Und hier sind wir also im Jahre 2010 angekommen. Die Gesellschaft individualisiert sich und zerfällt in sehr kleine Interessensgruppen. Aufgrund des in weiten Teilen der Bevölkerung angekommenen Wohlstands muss nicht mehr der günstigste Anzug von der Stange gekauft werden, es darf gerne auch mal ein maßgeschneiderter Zwirn sein.

Was bedeutet das nun für Gewerbetreibende und wie können sie diesen Trend ausnutzen? Zunächst einmal ist eine weitere Zerfaserung des Konsumentenverhaltens zu erwarten. Man sollte sich als Shopbetreiber also entweder auf eine starke Nische konzentrieren oder sich ein stark diversifiziertes Sortiment zulegen. Weiterhin ist zu erwarten, dass der Einkaufsvorgang immer mehr zum Spaßfaktor mutiert. Gute Präsentation und insbesondere auch gute Verpackung sind hier wesentliche Bestandteile – siehe Apple. Bei den Herrschaften aus Cupertino gerät schon das Auspacken eines neu erworbenen Produktes zum Erlebnis.

Hier lässt sich mit relativ geringem Einsatz schon einiges Erreichen. Für die Zukunft darf man gespannt sein, wie lange dieser Trend andauert. Ich sehe allerdings derzeit keinen Grund, wieso die Welle ausrollen sollte. Wie seht ihr das?

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Udo Gröbner

Developer at the crealytics innovation hub. Interested in new technologies, pragmatic solutions and stuff that works.

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    Ein sehr interessanter Gedankengang, an dem wohl wirklich viel dran ist. Massenproduktion war zu Henry Fords Zeiten ein Segen für die Menschheit. Der menschliche Wunsch nach Individualität ist jedoch nicht zu unterschätzen, er hat in vielen Bereichen denke ich immer bestanden, wird aber durch die Individualisierungsprozesse im 20. und 21. Jahrhundert sicher noch unterstrichen.

    In der westlichen Welt haben wir heute einen Wohlstand erreicht, der durch Massenproduktion wohl kaum wesentlich gesteigert werden kann, wohl aber durch Produktdifferenzierung. Erst die technischen Neuerungen in der Informations- und Automatisierungstechnologie können beide Aspekte vereinen: individuelle Produkte, die größtenteils automatisiert bestellt und produziert werden können.

    Bis diese Erkenntnis und die nötigen Verfahrens-Umstellung im meist doch sehr latenten produzierenden Gewerbe angekommen sind, dürften meiner Einschätzung nach jedoch noch einige Jahrzehnte vergehen, obwohl die Nachfrage bereits jetzt sicherlich vorhanden wären. Die innovativen Wegbereiter werden sich unterdessen eine goldene Nase verdienen…