Oracle, Google und der Streit um Java

Als Oracle im Frühjahr dieses Jahres Sun kaufte, gingen diverse interessante Projekte in den Besitz der hauptsächlich als Datenbankhersteller bekannten Oracle Corporation. Neben Virtualbox, dem Betriebssystem (Open)Solaris und der SPARC-Prozessorarchitektur vor Allem auch ein sehr beliebtes und bislang kostenloses Produkt: die Programmiersprache Java.

Sun hatte Java im Jahre 2006 unter die GPL gestellt und damit dem eigenen Ruf, nicht nur innerhalb der Open Source Community, einen großen Dienst erwiesen. Dieser Schritt fixierte Java weiter als eine der beliebtesten Programmiersprachen. Auf der anderen Seite hat Oracle, der neue Besitzer von Sun, aber bereits im Hickhack um MySQL bewiesen, kein uneingeschränkter Freund des Open Source Gedankens zu sein. Nun ist das bei MySQL zwar ärgerlich, wenn das dahinter stehende Unternehmen sich unsicher über die Zukunft des Projektes äußert. Hier gibt es aber z.B. mit PostgreSQL diverse freie Alternativen, auf die man relativ problemlos migrieren kann.

Bei Java liegt der Fall anders. Java ist längst mehr als nur eine Programmiersprache. Es existieren für nahezu jeden Anwendungszweck Frameworks und Tools, die die Arbeit an entsprechenden Projekten enorm erleichtern. Insbesondere die Öffnung der JVM für andere Sprachen, wie Groovy, Scala oder Clojure, haben dem ohnehin sehr lebendigen Ökosystem Java einige weitere Einwohner hinzugefügt (siehe grails, liftsbt).

Und nun hat Oracle also Google verklagt, weil in Android ein JVM Nachbau schlummert:

Laut Oracle sei Java ein mit Android konkurrierendes Mobilbetriebssystem und Google nutze auf Java basierende Technologien ohne Lizenz.

Google sagt daraufhin verschnupft die Teilnahme an der diesjährigen JavaOne ab und auch die kürzlich mit Apple im Clinch liegenden Herren von Adobe äußern sich negativ zu der Aktion. Wenngleich der aktuelle Streit um die Android-Java-Implementierung an sich nicht so dramatisch ist, so hinterläßt Oracles Vorgehen gegen Google doch einen faden Beigeschmack. Man stellt sich zwangsläufig Fragen wie: Wie lange wird Java noch offen weiterentwickelt? Und was wären denn Alternativen? (Mono anyone?)

Man darf also gespannt sein, wie sich der Streit um Java weiter entwickelt und kann im Grunde nur hoffen, dass die Entscheider bei Oracle ihre Strategie nochmal überdenken. Sonst heißt es eines Tages: Java ist nur eine Insel. Was denkt ihr, wie die Geschichte weitergeht?

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Udo Gröbner

Developer at the crealytics innovation hub. Interested in new technologies, pragmatic solutions and stuff that works.

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